Hessische Polit-Comedy
Geschrieben von Christian am Montag, 8. Januar 2007Die Hessen sind ja durchaus für ihren Humor bekannt. Comedy-Größen wie Heinz Schenk, Badesalz, Maddin Schneider oder Mundstuhl haben ihn in ganz Deutschland bekannt und berühmt gemacht - und das mit voller Absicht. Das heitere Laienschauspiel, das derzeit in Wiesbaden aufgeführt wird, ist dagegen eher unfreiwillig komisch. Da hat die SPD es doch tatsächlich verschlafen, ihren Bewerber für die Wahl zum Oberbürgermeister der hessischen Landeshauptstadt, Ernst-Ewald Roth, rechtzeitig anzumelden. Man wundert sich doch, wie ein Ortsverband einer Volkspartei eine so wichtige Frist einfach vergessen kann. Man wundert sich, warum - nachdem Roth schon im April vergangenen Jahres als Kandidat feststand - der Wahlvorschlag nicht damals schon direkt eingereicht wurde. Man wundert sich aber auch, dass Wahlleiter Peter Grella es nicht für nötig hielt, die Verantwortlichen in der SPD rechtzeitig über den bevorstehenden Ablauf der Frist zu informieren, zumal er das Debakel laut Wiesbadener Kurier “seit Tagen kommen sehen” hatte. Böse Menschen könnten vermuten, Grellas Untätigkeit beruhe nicht auf seiner Neutralitätspflicht als Wahlleiter, auf die er sich selbst beruft, sondern auf seiner Parteizugehörigkeit - Grella ist Mitglied der CDU und damit Parteifreund von Helmut Müller, der in Roth seinen härtesten Konkurrenten im Kampf um das Amt des Wiesbadener OB verloren hat.
Lieber Herr Grella, Neutralität bedeutet nicht in jedem Fall, nicht einzugreifen und abzuwarten, was passiert. Vor allem dann nicht, wenn zu befürchten steht, dass der Verzicht auf einen Eingriff die Politikverdrossenheit der Bürger schürt und das Vertrauen in die Demokratie erschüttert. Sicherlich ist es nicht Ihre Schuld, wenn die SPD das Einreichen des Wahlvorschlags verschläft, aber Sie haben durch Ihre Untätigkeit dazu beigetragen, dass diese Wahl - die zu leiten Ihre Aufgabe ist - zur Farce verkommt. Die Wahlbeteiligung wird vermutlich massiv einbrechen. Einem Oberbürgermeister Müller würde zudem immer der Makel anhaften, aus dem Missgeschick seines politischen Gegners Profit geschlagen zu haben. Aus dieser Richtung betrachtet, haben Sie auch Ihrem Parteifreund einen Bärendienst erwiesen.
Bleibt zu hoffen, dass die übriggebliebenen fünf Kandidaten mehr Common Sense beweisen, als der Wahlleiter, und ihre Kandidaturen zurückziehen, so dass Roth eine zweite Chance erhalten kann. Nicht um seinetwillen, nicht um der SPD willen, sondern um der Demokratie willen.

